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Eine Menge fachbezogene Information wartet auf dich bei Carnitech. In diesem Vorwort allerdings, geht es mal nicht so fachlich zu - ich berichte einmal, wie ich denn zu den Karnivoren gekommen bin.
Zu verdanken habe ich den ganzen “Schlamassel” meinem damals achtjährigen Sohn Michael, der sich in einem Baumarkt die Nase an einem bepflanzten Kleinstterrarium plattdrückte, und mir mit “Papa, die sind toll, die essen Fliegen” signalisierte, ich möge doch bitte die Brieftasche zücken. Ganze 38 DM sollte damals dieses Glasbecken, bepflanzt mit einer Sarracenie, einer Drosera und der obligatorischen Venusfliegenfalle kosten. Der Preis erschien mir reichlich hoch und die Ausdauer meines Sprösslings bei neuentdeckten Beschäftigungen kannte ich ja nun auch. Es erschien mir also nicht ratsam sofort zu reagieren. So komplett abschlagen konnte ich ihm seinen Wunsch aber dann doch nicht; nach einer Weile hatte ich ihn davon überzeugt, dass es am besten sei, wenn wir zunächst erst einmal das ebenfalls angebotene Buch “Fleischfressende Pflanzen” von Carow/Fürst mitnähmen, damit wir uns generell erst einmal schlau machen können. Diese Lektüre ist für viele Halter schon die Einstiegsdroge zu den liebevoll “Fleischis” genannten Pflanzen gewesen und mir erging es da nicht anders. Bis dato beschränkten sich meine botanischen Kenntnisse darauf, wann denn die Geranien gegossen werden mussten und dass die Tomate ein Nachtschattengewächs ist. Je weiter ich mich aber in die Lektüre vertiefte, desto mehr war ich von diesen Pflanzen mit ihrer speziellen Überlebensstrategie gefesselt. Was mir aber Kopfzerbrechen bereitete, waren solche Pflegehinweise wie erhöhte Luftfeuchtigkeit, spezielle Beleuchtung, kalkfreies Wasser, Weisstorf, Anstauverfahren... da schien mir doch einiges zu blühen. Und DASS mir das blühen würde, stand inzwischen für mich fest. Das Internet tat ein übriges an Information und schon bald war ich mit dem infiziert, was auch Kollegen den Fleischi-Suchtfaktor nennen. In Anbetracht der Tatsache, dass bei mir bis dahin sogar Kakteen und Yuccapalmen eingegangen sind, dürfte klar sein, dass sich meine Einstellung dem Grünzeug gegenüber rapide änderte.
Kurzum, Michael bekam seinen Willen (zumindest glaubte er zu diesem Zeitpunkt noch, es sei sein eigener) und wir erwarben die typische Grundausstattung; teils im Baumarkt und teils bei einem Online-Versandhandel. Allerdings baute ich schon damals ein Terrarium selbst. Als Ausgangsmaterial dienten mir Glasscheiben, die bei der Verschrottung von Reprokameras in unserer Druckerei anfielen. Damit gestaltete sich das Becken natürlich wesentlich grösser als jenes, das mein Sohn ursprünglich im Auge hatte - ein Schelm wer glaubt, ich hätte dabei Hintergedanken gehabt ;-) Wie so oft als Einsteiger in einem Gebiet, machten wir natürlich so ziemlich alles verkehrt, was man denn falsch machen kann. Umgetopfte Zwergdrosera, Unkenntnis von Winterruhen, zusammensetzen ungleicher Klimagebiete; Licht ist immer gut, also volle Sonne herbei... Wir hatten so ziemlich die ganze Bandbreite botanischer Fehlgriffe drauf, die man sich vorstellen kann. Bei meinem Sprössling kam natürlich irgendwann Frust auf, und so widmete er sich wieder den Beschäftigungen, die man altersgemäß von ihm erwartete - sprich: sein Interesse erlosch zusehends. Den Vater, von jeher mit Akribie den jeweiligen Sachgebieten gegenüber ausgestattet, spornte jeder Rückschlag noch weit mehr an. “Wenn man etwas nicht schafft, dann hat man eben nur zu wenig Sachkenntnis von diesem Gebiet.” Meine Leitsätze aus meinem ersten Beruf, der Mechanik, mussten sich doch auch auf die Botanik anwenden lassen - allen voran: Geht nicht - gibt´s nicht! Fortan praktizierte ich also das, was in der Industrie als “japanische Mentalität” bekannt ist: Den Diebstahl mit Auge und Ohr; die Kopie bestehender Technologie und die preiswerte Umsetzung derselben.
Just zu dieser Zeit stiess ich auf die Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum e.V. - wohl der Wendepunkt in meiner Karriere als Karnivorenvernichter. Da tat sich für mich Land auf - es gab Gleichgesinnte; und, oh Jubel, die hatten auch hin und wieder Probleme. Und eben jene Leute hatten garnichts dagegen, wenn man in ihrem Forum auch dumme Fragen stellte. 800 Verrückte sehen sich in diesem Verein genötigt, fast täglich Interessensaustausch über ein relativ kleines botanisches Gebiet zu betreiben. So viele Menschen konnten sich gar nicht irren und fehlgeleitete Enthusiasten sein! Sehr lange habe ich im Forum der GfP einfach nur Erfahrungen anderer gesammelt, die ich dann selbst nachvollziehen konnte; persönliche Kontakte kommen dann fast zwangsläufig zustande. Nachdem ich ein Jahr fast nur mitgelesen hatte, fand ich es an der Zeit, selbst Mitglied dieser botanischen Gemeinschaft zu werden; ICH - der Mann mit dem eher “braunen” Daumen...
Besonders freute mich, dass ich im Jahr 2004 mit einigen hessischen Kollegen die Jahreshauptversammlung der GfP in meiner Heimatstadt Marburg ausrichten konnte - dabei konnte ich ein wenig von dem zurückgeben, was ich dieser Gemeinschaft schuldete.
Aus der einstmals handvoll Pflanzen ist inzwischen eine stattliche Anzahl verschiedener Gattungen geworden, wobei mein Interesse hauptsächlich auf den Kannenpflanzen, den Nepenthes liegt. Es dürfte sich von selbst verstehen, dass auch nicht ein Quadratzentimeter an Fensterbank mehr frei ist, und Fensternischen zweckmässig umgebaut wurden.
Seither habe ich also einiges konstruiert und gebaut - wie das eben nun ´mal so meine Art ist. Was Mitmenschen achtlos wegwerfen, kann für mich Rohstoff sein. Dieser Umstand hat mir zwar im Bekanntenkreis spöttisch den Beinamen McGyver eingebracht, damit kann ich aber leben. Man muss nicht Unsummen aufwenden, um fleischfressende Pflanzen zu beherbergen; man sollte nur ein offenes Auge haben, über ein Mindestmass an handwerklichem Geschick verfügen und auch nicht auf jedes Angebot der Industrie hereinfallen. Und darum geht es hier bei Carnitech; Wege aufzuzeigen, wie man denn auch ohne allzu grosse Investitionen dieses faszinierende Hobby betreiben kann.
Ich wünsche allen Besuchern viel Freude beim stöbern.
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